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Kurzzusammenfassung der Studie


Mit dieser Broschüre liegen die Ergebnisse der ersten bundesweiten Befragung von Gospelchören vor, die das Sozialwissenschaftliche Institut der EKD in Kooperation mit Creative Kirche von Juni bis Oktober 2008 durchgeführt hat. 8.411 Sängerinnen und Sänger aus 463 Chören und 421 Chorleiter/-innen haben sich daran beteiligt und damit Einblicke in das Leben der Gospelchöre ermöglicht, die auf einer breiten empirischen Datenbasis fußen.

 

Hier einige Schlaglichter aus den Ergebnissen:


Gospelchöre ziehen Menschen an, die im kirchlichen Gemeindeleben eher selten anzutreffen sind:

·    Die Sänger/-innen sind im Schnitt 42 Jahre alt und damit weitaus jünger als die im üblichen Leben der Kirchengemeinden Engagierten (52 Jahre). Besonders stark ist mit 35 Prozent die Altersgruppe der 40- bis 49-Jährigen vertreten.

·    Der formale Bildungsstand ist überdurchschnittlich: 56 Prozent der Sänger/-innen haben zumindest die Fachhochschulreife absolviert.

 ·    Musikvorlieben sind ein Kennzeichen von Lebensstil- beziehungsweise milieuspezifischen Orientierungen. Die Gospelsänger/-innen bevorzugen mit Pop, Musical und Rock eher moderne, rhythmusbetonte Stilrichtungen der Unterhaltungsmusik. Die klassische Musik, insbesondere die Oper, die typischerweise ein älteres und hochkulturell interessiertes Publikum anzieht, findet weniger Zuspruch. Die traditionelle Unterhaltungsmusik – Volksmusik, Operette und Schlager – trifft sogar ganz überwiegend auf Ablehnung. Damit stehen die Sänger/-innen in Kontrast zu den regelmäßigen Gottesdienstbesuchern, unter denen sowohl die Klassik als auch die traditionelle Unterhaltungsmusik viele Anhänger hat.


Gospelchöre haben keine Nachwuchssorgen:

·    Sowohl jüngere als auch ältere Gospelchöre gewinnen neue Mitglieder und können gleichzeitig auch auf Nachwuchs im eigentlichen Sinne bauen. Selbst in Chören, die schon länger als fünf Jahre bestehen, liegt der Anteil der Sänger/-innen, die jünger als 20 Jahre sind, bei 21 Prozent. Zudem zeigt sich der Trend, dass die Anzahl der Mitglieder mit längerem Bestehen der Chöre steigt.

·    Mit 80 Prozent fällt der Anteil von Frauen noch höher aus, als dies mit 70 Prozent im Durchschnitt gemischter Chöre der Fall ist. Man kann davon ausgehen, dass auch dieses Ergebnis mit der guten Nachwuchssituation in Gospelchören zusammenhängt. Denn unter den Frauen sind die jungen nachwachsenden Chormitglieder deutlich stärker vertreten als unter den Männern.

Gospelchöre sind – in Kirchen-gemeinden – gelebte Ökumene:

·    Etwa drei Viertel der Gospelchöre gehören zu einer Kirchengemeinde – 61 Prozent allein unter dem Dach der evangelischen Kirche. Unabhängig von der Trägerschaft findet sich eine konfessionelle Zusammensetzung der Chöre, in der sich die durchschnittliche Verteilung der Konfessionszugehörigkeit aller Sänger/-innen der Befragung weitgehend widerspiegelt: 57 Prozent Evangelische, sechs Prozent Evangelisch-Freikirchliche, 28 Prozent Katholiken und neun Prozent Konfessionslose.

·    Gemeindegottesdienste sind der wichtigste Auftrittsort der Gospelchöre: 88 Prozent aller Chorleiter/-innen geben an, dass ihr Chor in Gottesdiensten der eigenen Kirchengemeinde singt; 60 Prozent antworten, dass dies mindestens drei bis fünf Mal im Jahr der Fall ist. Gospelchöre sind also überwiegend – auch wenn sich dies in nur sporadischen Auftritten äußern mag – Teil des Gemeindelebens.

Gospelchöre integrieren und wirken gemeinschaftsbildend:

·    Die Integrationsleistung der Gospelchöre beschränkt sich nicht darauf, dass in ihnen jüngere und ältere, neu hinzugekommene und erfahrene sowie konfessionsverschiedene Sänger/-innen zusammenfinden. Es gelingt darüber hinaus, auch Menschen für das Singen der ‚guten Nachricht’ zu begeistern, die explizit kirchlich-religiösen Motivationen eher ablehnend gegenüberstehen, die sich nicht an die Kirche oder Gemeinde gebunden fühlen. Neben der „Freude am Singen / Musizieren“, die ausnahmslos alle Sänger/-innen miteinander verbindet, spielt dafür die Gemeinschaftserfahrung im Chor eine große Rolle. Die überragende Mehrheit der Sänger/-innen (93 Prozent) nennt sie als wichtiges Motiv für die eigene Mitwirkung.

·    Dies alles wäre ohne die Wirkung, die von der Gospelmusik selbst ausgeht, wohl kaum denkbar. Sie macht den Sänger/-innen „einfach Spaß“ (99 Prozent) und versetzt mit ihrem „swingenden Sound“ (94 Prozent) in eine „fröhlich-ausgelassene Stimmung“ (94 Prozent). Es spricht viel dafür, dass gerade diese emotionalen Qualitäten einen Zugang für religiöse Deutungen darstellen, auch wenn diese nicht auf explizit christlich-kirchliche Formulierungen abstellen: Gospel „gibt Kraft für den Alltag“ (84 Prozent) und „verbindet ganz unterschiedliche Menschen“ (91 Prozent). Das be-geistert Kirchennahe und Kirchenferne.

Gospelchöre entfalten missionarisches Potenzial:

Wenn Sänger/-innen über ihre Mitwirkung im Gospelchor eine Veränderung in ihrer Beziehung zur Kirche beziehungsweise in ihrer religiösen Selbsteinschätzung erleben, so empfinden sie eine Intensivierung. Dabei sprechen die Zahlen für sich:

·    44 Prozent erklären, dass sich ihr Gefühl der kirchlichen Verbundenheit durch die Mitwirkung im Gospelchor verstärkt habe.

·    32 Prozent nehmen eine Verstärkung ihrer Religiosität wahr.

·    32 Prozent geben an, unabhängig von den Auftritten ihres Chores häufiger Gottesdienste zu besuchen; 31 Prozent nehmen öfter an anderen Veranstaltungen beziehungsweise Angeboten der Kirchengemeinde teil, als dies vor ihrer Mitwirkung im Gospelchor der Fall war.

Gospelchöre sind eine Bereicherung für die Menschen und für die Kirche: Sie öffnen Zugänge zur BeGeisterung, durch Gospelsingen.

 
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