Der Gospel hat in Deutschland viele Anhänger gewonnen. Schätzungsweise
3.000 Gospelchöre mit mehr als 100.000 Mitgliedern sind bereits aktiv,
Tendenz steigend. Verlässliche Daten über die Herkunft der Sängerinnen
und Sänger, die Motive, das Alter und die Beteiligung am kirchlichen
Gemeindeleben gab es bislang nicht. Das Sozialwissenschaftliche
Institut der EKD (SI) schließt jetzt diese Forschungslücke. 8.411
Sängerinnen und Sänger und 421 Chorleiterinnen und Chorleiter gaben
Auskunft für diese erste bundesweite Befragung. SI-Projektleiterin
Petra-Angela Ahrens stellt heute in Karlsruhe gemeinsam mit dem
badischen Landesbischof Ulrich Fischer, Oberlandeskirchenrat Hans
Christian Brandy aus der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers und Martin
Bartelworth, Creative Kirche und Geschäftsführer des Internationalen
Gospelkirchentages, die Ergebnisse vor. Der Ort für die Präsentation
ist bewusst gewählt: Vom 10. bis 12. September 2010 findet in Karlsruhe
der fünfte Internationale Gospelkirchentag statt.
„In einem Gospelchor zu singen, ist auch für Menschen attraktiv, die
sich sonst kaum am kirchlichen Gemeindeleben beteiligen“, bestätigt
Landesbischof Fischer. „Die Studie stärkt uns in der Erfahrung, dass
Gospelchöre gelebte Ökumene in den Kirchengemeinden verwirklichen, sie
integrieren und stiften Gemeinschaft zwischen Konfessionen und
Generationen“, so Fischer weiter.
„Die Auswertung ergab, dass sich bei 44 Prozent der Befragten das
Gefühl der kirchlichen Verbundenheit durch die Mitwirkung im Gospelchor
verstärkt hat. Viele Sängerinnen und Sänger erlebten über ihre
Einbindung in das Chorleben eine Veränderung in ihrer Beziehung zur
Kirche. 32 Prozent fühlen sich in ihrer Religiosität gestärkt“, sagt
die Soziologin Ahrens. Für Martin Bartelworth belegt die Studie, die
auch in Form einer Broschüre vorliegt: „Die Gospelbewegung ist eine
großartige Chance für die Menschen und für die Kirche.“
“Beim Gospelkirchentag in Hannover haben wir die Begeisterung
eindrucksvoll erlebt“, so Oberlandeskirchenrat Hans Christian Brandy.
„Die Studie weist nun nach, dass besonders jüngere Menschen, die im
Gospelchor Begeisterung und Spaß erleben, der Kirche und dem Glauben
näher kommen. Gospelchöre sind Ausdruck einer fröhlichen und
missionarischen Kirche. Das wollen wir weiter fördern.“
Gospelsängerinnen und -sänger sind im Schnitt 42 Jahre alt. Der formale
Bildungsstand ist überdurchschnittlich: 56 Prozent haben zumindest die
Fachhochschulreife. Der Anteil von Frauen beträgt 80 Prozent, zehn
Prozent mehr als bei gemischten Chören. Gospelsängerinnen und -sänger
bevorzugen mit Pop, Musical und Rock eher moderne, rhythmusbetonte
Stilrichtungen. Die klassische Musik findet weniger Zuspruch.
Volksmusik, Operette und Schlager treffen überwiegend sogar auf
Ablehnung.
Neben der Freude am Singen und Musizieren, die ausnahmslos alle
Sängerinnen und Sänger miteinander verbindet, spielt die
Gemeinschaftserfahrung im Chor eine große Rolle. „93 Prozent der
Befragten nennen sie als Motiv für die Mitwirkung“, hebt
SI-Projektleiterin Ahrens hervor. „Bei den Chorproben tanke ich auf,
kann Alltagsschwierigkeiten vergessen. Erkenne aber auch, was ich an
Gott habe“, sagt Gospelsänger Friedemann Winter (27). „Wir sprechen mit
dieser Musik genau die mittlere Generation von 25 bis 60 Jahren an, die
oft in den Kirchen fehlt“, betont Roland Scheel vom Gospelchor Warder.
Die Befragten waren einstimmig der Meinung: Gospel gibt Kraft für den
Alltag und verbindet ganz unterschiedliche Charaktere. Diese Art von
Musik begeistert Menschen, die der Kirchen nahe stehen ebenso wie jene,
die der Kirche distanziert gegenüberstehen.
„Man darf daraus jedoch nicht den Schluss ziehen, dass Gospelchöre ein
Allheilmittel sind, um die Kirchen zu füllen“, gibt Petra-Angela Ahrens
zu bedenken. „Schon das Singen in einem Chor ist nicht für jeden
attraktiv und geeignet.“ Voraussetzung sei zudem, dass man den
rhythmusbetonten und fröhlich-swingenden Stil der Gospelmusik mag und
offen sei für religiöse Fragen.
Das Sozialwissenschaftliche Institut der EKD (SI) verschickte in
Kooperation mit Creative Kirche und dank der Unterstützung der
Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), der Evangelisch-lutherischen
Landeskirche Hannovers und der Hanns-Lilje-Stiftung im Sommer 2008
bundesweit an 1.605 Chöre die Fragebögen. „Die Rücklaufquote lag bei 29
Prozent. Das ist ein sehr gutes Ergebnis“, sagt Projektleiterin Ahrens.
Hannover, 16. Juni 2009
Pressestelle der EKD
Silke Römhild
Rückfragen bitte an:
Petra-Angela Ahrens (0511 / 554741-23)
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